Vom lieben Vieh: Unser Flaschenlamm

So ein kleines Lamm ist ein Wunder. Wie jedes Neugeborene umgibt es ein Zauber. Das Wunder wird noch größer wenn das Schaf gleich 3 Lämmer zur Welt bringt. Das kann ein Schaf durchaus meistern aber in diesem Fall hat die Gute nicht begriffen dass Nummer 3 auch noch zu ihr gehört. Und so stand der kleine Kerl ohne Mutter im Stall. Wanderte von Schaf zu Schaf, von Euter zu Euter um sich einen kräftigen Stoß verpassen zu lassen mit dem man ihm zu verstehen gab: Hier wird schon ein anderes Lamm gesäugt. Such Dir was neues.

Und dann kommt der Mensch ins Spiel. Ab zum Landhändler – Milchpulver holen. Wenn die Flasche startklar ist beginnt die eigentliche Herausforderung. Denn ganz so leicht macht es einem so ein Lämmchen nicht.

1,5 Liter am Tag und auf die Temperatur kommt es an. Sie sollte ziemlich genau 38 Grad betragen. 1 – 2 Grad machen schon einen großen Unterschied und der Durchfall ist vorprogrammiert. Auch die Körpertemperatur spielt eine entscheidende Rolle. Ist das Lamm zu kalt trinkt es nicht. Dann muss es ordentlich gerubbelt werden, dass es warm wird und damit steigt auch die Trinkbereitschaft. Sind die ersten Tage überstanden – gehts bergauf. Unser Tutchje, so hat meine Mama den kleinen Frechdachs getauft, hat sich prächtig entwickelt.

Wenn er hungrig ist ruft er schon von Weitem nach uns wenn wir uns der Koppel oder dem Stall nähern. Dann springt er einem schon gegen das  Knie oder butzt mit dem Kopf dagegen um die Milchausschüttung anzuregen. Wenn er nur wüsste das da kein Oxitocin gebildet, sondern lediglich der Arm abgeknickt werden muss.

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Vom lieben Vieh in der Fachliteratur

Bücher und ich … Das ist so eine Sache. Einen Besuch im Buchladen versuche ich eigentlich zu umgehen um meinen Geldbeutel nicht zu strapazieren. Dennoch wächst sie, die Buchsammlung. Denn wenn ich dann zuschlage, kann ich ein zweites mal nicht widerstehen und beginne zu lesen. Auch wenn da noch ein oder zwei angelesene Bücher am Bett oder auf dem Tisch liegen. Kurz: Ich lese dann bis zu sieben Bücher parallel. Heute möchte ich von einem Buch berichten, das ich aus Freude an meinem Beruf und meinem Hobby gelesen habe und immer wieder in die Hände nehme.


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Temple Grandin – Human Livestock Handling

Die auf den ersten Blick schroff wirkende Autistin Temple Grandin hat ein Gespür für Tiere wie keine andere. Während ihr Menschen völlig fremd sind, fühlt sie was Tiere fühlen.

Sie fährt auf Farmen und Schlachthöfe und sieht sich an  wie Mensch und Tier dort leben und welche Probleme in der Haltung auftreten. Die Tiere gehen nicht auf den Anhänger, sie laufen nicht in den Melkstand oder ins Schlachthaus. Ihre Intention ist es, den Tieren diese Wege so angenehm wie möglich zu gestalten. Das tut sie indem sie den Weg der Tiere geht oder kriecht. Sie läuft die Gatter ab, kriecht auf Knien durch den Schlachthof und betrachtet die Welt so mit den Augen der Tiere. Hinzu kommt, dass sie die gleichen Ängste mit ihnen teilt. Laute, schrille Geräusche und schnelle, ruckartige Bewegungen versetzten auch sie in Angst. Nur kann sie sich artikulieren und dafür sorgen die Haltungsumstände zu ändern. Und so sorgt sie für eine bessere Haltung und einen stressfreien Weg in den Tod. Diesen kann sie nicht verhindern aber ihn deutlich angenehmer gestalten. Mit großem Erfolg. Inzwischen folgen die Hälfte aller Rinder in den USA Wegen, dessen Richtung sie vorgibt. Und davon handelt dieses Buch. Ein Wunderwerk für jeden der sich mit der modernen Tierhaltung beschäftigt und seinen Tieren Gefühle zuschreibt. Neben präzisen Beschreibungen und Erklärungen sorgen großartige Zeichnungen und Pläne für mehr Verständnis gegenüber dem Tier und seinen Empfindungen.

Los geht’s mit einer Beschreibung der Sinneswahrnehmung und dem Verhalten. Dem angeborenen und dem erlernten Verhalten. Mit diesem Wissen gilt es gegenseitiges Vertrauen im Umgang aufzubauen. Nur auf gemeinsamer Vertrauensbasis ist das stressfreie Zusammenleben möglich. Dazu ist es essentiell Verhaltensregeln zu befolgen, die ebenfalls erläutert werden. Zum Beispiel Fluchtzonen zu akzeptieren und zu nutzen. Sie beschreibt zudem wie wichtig die Auswahl der verwendeten Materialien im Stallbau sind und welchen massiven Einfluss diese auf das Wohlbefinden und Verhalten der Tiere haben können. Glänzende reflektierende Gegenstände werden als Gefahr wahrgenommen. Das kann auf dem Boden stehendes Wasser sein, welches Licht reflektiert. Oft reicht es die Lampe anders zu positionieren oder glänzende Gatter zu schleifen und damit zu mattieren. Allein ein Schatten oder ein Lichtstrahl reicht aus um das Vorangehen zu unterbinden. Auch in einen dunklen Gang geht ein Tier niemals freiwillig. Hier schaffen zusätzliche Beleuchtungen Abhilfe. Hinzu kommen Abhandlungen in denen sie erläutert wie eine Ranch aufgebaut sein sollte um Tiere darin möglichst stressarm zu halten und händeln. Dabei geht es vorrangig um die Teibewege oder – gänge. Diese sollten immer Kurven enthalten und keine Ecken. Man selbst läuft an einer Ecke auch nicht im Hacken an der Wand entlang, sondern eher eine Kurve.

Einige Praktiken waren mir bereits vorher bekannt. Bei anderen hatte ich das Gefühl, dass es mir wie Schuppen von den Augen fällt. Während man die Erläuterungen liest, wird einem oft klar, dass es um sehr viele kleine Änderungen geht, die absolut einleuchtend sind und einen großen Effekt auf das Wohlbefinden der Tiere haben.

Wen dieses Thema interessiert oder wer selbst mit Tieren arbeitet, dem lege ich dieses Buch ans Herz!


Neben diesem Wunderwerk besitze ich noch zwei weitere Bücher von Temple Garandin, von denen ich gern auch berichten werde.

Vom lieben Vieh in meiner Kindheit

Seit ich denken kann verbrachten wir, bevor wir selbst auf einen Hof zogen, nahezu jedes Wochenende auf dem Hof meiner Großeltern. So bin ich groß geworden – zwischen Landmaschinen und Tieren.

Und davon möchte ich heute erzählen:


Die meiste Zeit dort verbrachte ich im Stall. Half meinem Opa beim Füttern und meiner Oma beim Eier sammeln. Zwischen Kühen, Schweinen und Co hielt ich mich schon immer gern auf.

Ich erinnere mich an Kühe, die damals noch angebunden in unserem Stall standen. Ich sehe sie genau vor mir. Ich stehe auf dem Futtertisch, im Trog das Gras, links und rechts die Tränkebecken, dazwischen je eine Kuh. Wenn sie säuft, hört man beim Frühstück in der Küche meiner Großeltern das Wasser durch die Leitung rauschen.

Auch ein Schwein gab es immer im Stall. Das war dank Opa immer sehr zahm und ließ sich fröhlich grunzend streicheln. Besonders es zu füttern machte großen Spaß, denn es bekam eine Pampe aus Schrott, Wasser und gedämpften Kartoffeln. Da hat sich dann auf dem Weg in den Kumm auch mal eine Kartoffel in meinen Mund verirrt. Köstlich- Kartoffeln aus dem Dämpfer. Geschmak und Geruch sind heute noch abrufbar.

Nachdem die Kühe ausgezogen waren, zogen Pferde ein. Mein Onkel, der Cowboy, hatte zwei an der Zahl. Hinzu kamen hin und wieder Pensionspferde. Als ich in der Grundschule war kam ein Pony dazu. In den Ferien blieb ich oft bei meinen Großeltern. Dann stand ich um sechs Uhr in der Früh mit meinem Opa auf und es ging direkt in den Stall. Raus mit den Tieren, füttern und nach dem Rechten sehen. Danach erst gab es Frühstück für uns. Das mache ich noch heute so. Erst die Tiere versorgen, dann kommen wir.

Ich erinnere mich auch an Kaninchen. Die tragende Häsin war ein Geburtstagsgeschenk. Das Resultat 7 kleine Hasenkinder, die leider nicht lange lebten. Als ich nach dem Sommerurlaub mit meinem Matrosenkleidchen in den Stall rannte, traute ich meinen Augen nicht. Die Box war leer. Myxomatose hatte sich ausgebreitet und so mussten alle Hasen den Stall verlassen.

Nachdem wir auf den Hof nebenan gezogen waren, konnte auch endlich ein Hund einziehen. Meine beste Freundin hatte da was ganz tolles für mich. Ihre bezaubernde Irish Setter Hündin hatte Nachwuchs. Wann immer wir die Gelegenheit hatten spielten wir mit den kleinen braunen Welpen, die gar nicht wussten wie ihnen geschah. Ständig drückten und zogen wir an ihnen herum. Schnell wurde klar, das bald einer davon zu uns ziehen würde. Davon werde ich bei Gelegenheit auch noch berichten.


Sicher gibt es viele Kinder vom Land, die später genau das nicht wollen. Weg aus dem Dorf, rein in die Stadt am besten in die anonyme Großstadt mit unbegrenzten Möglichkeiten. Mich hat das Leben auf dem Land dagegen so positiv geprägt, dass ich mir nicht vorstellen kann meinen Kindern diese unglaubliche schöne Zeit zu verwehren. Während meine Freundinnen aus dem Kindergarten und der Grundschule an ihren Geburtstagen zu MC Donalds einluden, schmückten meine Eltern einen Hänger voll Stroh, Sonnenblumen und Luftballons. So fuhren sie mit uns über die Felder. Ein großartiger Spaß.

Es sind die kleinen einfachen Dinge, die es so besonders machen. Ich freue mich schon meine Kinder und ihre Freunde übers Feld zu fahren.

Danke für diese unbeschwerte Kindheit voller Liebe und vielen Tieren. 

Vom lieben Vieh: Eine kleine Schafgeschichte

Alles begann mit einem schwarzen Schaf vor etwa 6 Jahren. Wir holten es zusammen mit einem weiteren Schaf von einem Bekannten meines Vaters. Beide eine Kreuzung der Rassen Dorper und Kamerun. Diese beiden Rassen vereint eine Besonderheit. Sie besitzen keine Wolle im herkömmlichen Sinne, was die Schur unerforderlich macht. Zum Winter bekommen sie volleres und dichtes Fell, welches sie im Frühjahr wieder verlieren.

Anfangs etwas scheu gelang es mir mit viel Geduld die tragenden Schafe für mich zu gewinnen und sie zu zähmen. Eine besondere Verbindung entwickelte sich zu unserem schwarzen Schaf. Sie war schnell anhänglich und wurde später zum Leitschaf der kleinen Herde. Nachdem die ersten Lämmer geboren waren, erwarben wir noch einen älteren Bock für unsere Herde. Ein Prachtkerl mit Herz. So etwas Anhängliches hatte ich noch nie zuvor erlebt. Während ich sonst Geschichten von Schafböcken höre bei denen Man(n) sich oft vor dem angreifenden Bock auf den Baum retten muss, konnten wir unserem Bock unbesorgt kniend den Rücken zudrehen. Ein Beleg für seine Gutmütigkeit ist wohl der Tag, an dem wir ihn von seinem gebogenen Horn, das ihm zunehmend unter dem Auge in den Schädel drückte, befreiten. Ich sollte ihn und seinen Kopf halten während mein Vater sich mit einer Säge an seinem Horn zu schaffen machte. Lammfrom und völlig unbeeindruckt stand er vor mir und ließ die Prozedur über sich ergehen. Irgendwann wurde mir klar, dass ich ihn nicht festhalten musste, er vertraute uns. So hielt er inne bis am Ende unter Anwendung einer Seilsäge das Horn zu Boden fiel.

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Der Prachtkerl mit Herz.

Auf einem Hof lebt man nicht nur mit den Tieren, sondern auch von ihnen. Und so schlachten wir nicht nur Hühner und Enten, sondern auch Lämmer. Das fällt uns allen natürlich immer wieder aufs Neue schwer. Deshalb versuchen wir erst gar nicht eine zu enge Bindung aufzubauen und dennoch wenn es soweit ist, kostet es immer Mühe und Überwindung. Oft werde ich gefragt wie ich dieses Fleisch denn essen könne. Ich schätze es und esse es mit Appetit, sogar mehr als ein gekauftes Stück Fleisch. Denn ich weiß wie wertvoll ein Stück Fleisch ist und welche Arbeit damit verbunden ist. Zudem ging es den Lämmern bei uns gut. Sie wurden weder von ihrer Mutter getrennt, noch in einem Stall ohne Licht und Luft gehalten. Jeden Tag ihres Lebens verbrachten sie auf der Weide.

Ebenso schwer ist es wenn ein Lamm die ersten Tage nicht übersteht. Generell haben wir damit keine Probleme. Bisher mussten wir in all den Jahren höchstens 3 Mal Geburtshilfe leisten. Oft lammen die Schafe in der Nacht wenn alles still ist und sie sich ungestört fühlen. Aber es kommt eben doch vor, dass ein Lamm zu schwach ist um in den ersten Stunden die Kolostralmilch der Mutter aufzunehmen und dann wird es schwer es durchzubringen. Dann melken wir das Mutterschaf zwar noch, jedoch sind die wichtigsten Stoffe wie Antikörper, Vitamine, Proteine, Enzyme und Mineralien im Kolostrum dann nicht mehr so  hoch konzentriert wie in den ersten Stunden nach der Geburt um die Immunabwehr des Lamms zu stärken oder überhaupt aufzubauen. Vor zwei Jahren hatten wir einen solchen Fall zu Weihnachten. Das Lamm war einfach viel zu schwach um selbst zu stehen. Ich mimte als Amme. Alle 3 Stunden, auch nachts und am Heilig Abend, saß ich im Stall und versuchte das Lamm zu tränken. Leider vergeblich. Die verzehrten Portionen wurden verschwindend gering und so auch die Kraft. Bis es eines morgens nicht mehr den Kopf hob. Wenngleich man auf dem Land bereits als Kind solche Erfahrungen machen muss ändert sich die Grausamkeit solcher Momente nie.

 

Nachdem unser alter Zuchtbock die Herde verlassen hatte um Inzucht zu vermeiden, trat ein neuer Kamerunbock an seine Stelle. Ein anfangs scheues Tier, dem ich wenig Vertrauen schenkte. Gleiches versagte er auch uns. Und so wurde von beiden Seiten daran gearbeitet. Langsames annähern, Standhaftigkeit bei Angriffen (Das passiert auch schnell bei den männlichen Lämmern. Sobald sie sich halbwegs stark fühlen greifen sie auch gern mal von hinten an. Da heißt es Obacht und Mut zur Paroli. Da muss man den Halbstarken dann bei den Hörnern packen und auf den Rücken legen.) und viel Geduld. Eine bewährte Methode. Zu 90 Prozent vertraue ich ihm. Die restlichen 10 Prozent verdiente nur unser erster Bock.

 

Dieser Bock schenkte unseren Schafen schon viele Lämmer, die unseren Stall mit viel Leben und Freude erfüllen. Der Trupp gleicht einer Kindergartengruppe. Da wird getobt, geschubst und anschließend in einer Ecke gelegen und geschlafen.

Vom lieben Rindvieh

Das liebe Rindvieh hat es mir angetan – seit meiner frühen Kindheit. Ich erinnere mich noch heute an den Geruch der Kühe im Stall meiner Großeltern und an die rauen Zungen die meine Hände schlecken mussten. Ein herrliches Gefühl. Und auch heute kann ich mich nur schwer zurückhalten nicht jedem Kalb direkt meine Hand ins Maul zu schieben um mich wieder in die Kindertage zurück versetzen zu lassen.

Dann folgten einige Jahre der Rinderabstinenz bis ich mit dem Studium begann. Meine Verbundenheit zum Landleben und allem was dazu gehört wollte ich gern zu meinem Beruf machen. Dabei ging es nicht unbedingt um das ländliche Idyll sondern vielmehr um meinen Wissensdurst bezüglich all dieser Themen. Und die Faszination stieg.

Meinem Interesse an Tieren konnte ich dann im Master mit der Spezialisierung auf Nutztiere besonders frönen. Ich machte verschiedene Praktika und forschte im Zuge meiner Bachelor- und Masterarbeit zum Thema Rind. Wenngleich mir dabei immer wieder deutlich wurde wie hart die Arbeit mit Rindern sein kann, nichts konnte mich aufhalten. Denn ich mag sie einfach!

Vom lieben Vieh – ist sie mir die Allerliebste!

Bella – Meine große Liebe!

Ein Blick und es war um mich geschehen. Denn anders als üblich hat Bella sich uns ausgesucht als wir sie damals das erste Mal besuchten. Munter und fröhlich kam der kleine Welpe auf uns zu gesprungen. Und da war klar – sie gehört zu uns, mit allem was sie ausmacht – ihren Stärken und Schwächen.

Bella ist nämlich ein typischer Ridgeback. Sie ist klug, kräftig und treu aber auch empfindlich und verfügt über enorme Durchsetzungskraft. Das sieht wie folgt aus: Die Kühlschranktür klappt, prompt steht Bella hinter mir und setzt einen Blick zum Dahinschmelzen auf. Ich sage nein und deute mit dem Finger an besser schnell zu verschwinden. Sie bleibt hart und klimpert nochmals mit den Augen. Der Punkt an dem ich mich zwingen muss hart zu bleiben. Also schicke ich sie auf ihren Platz. An guten Tagen setzt sie sich dann mitten in die Küche und dreht mir ihr Hinterteil zu. Übersetzt: „Ich verachte dich aber bleibe dickfellig.“ An schlechten Tagen verkrümelt sie sich auf ihren Platz und ignoriert mich für die nächsten Stunden. Übersetzt: „Ich bin das ärmste Hündchen auf der Welt, du bist schuld daran, dass ich mich so schlecht fühle und ich hoffe du tust es jetzt auch.“

All dies tut sie ohne großes Aufsehen. Sie ist nie laut, eher zurückhaltend und dennoch präsent. Kurz: Sie ist unglaublich ausgeglichen und das schätze ich so sehr an ihr. Ihre Unaufgeregtheit. Das beruhigt mich ungemein und macht sie zu meiner treuen Begleiterin. Zusammen erkunden wir Feld und Flur, genießen Sonne und Wind, fahren Rad oder joggen. Ohne sie bin ich nicht ich!

 

Vom lieben Federvieh

Ich habe eine Eisperre. Ich kann keine Eier essen wenn sie nicht aus unserem Hühnerstall stammen. Ob im Hotel, ums Sushi oder bei anderen Feierlichkeiten, ich verzichte gern. Begründet liegt dies wohl in meiner Kindheit. Seit ich denken kann schnappte ich mir am frühen Abend mit meinen Großeltern den Weidenkorb und begaben uns auf Beutezug in richtung Hühnernester. Es gab also immer frische Eier. Als Kind habe ich es gar nicht so wahrgenommen, doch je älter ich wurde desto mehr achtete ich darauf. Selbst während meiner Studienzeit in Berlin habe ich nicht darauf verzichtet, sondern mich am Wochenende mit frischen Eiern eingedeckt. Hin und wieder bin ich unter bestimmten Bedingungen (Eiernot beim Backen und Wissen um der Eierherkunft) bereit Ausnahmen zu machen.

Ähnlich geht’s mir auch mit Geflügelfleisch. Während ich früher mit Genuss ein Stück vom Grill aß, vermeide ich heute gekauftes Hähnchenfleisch. Ein paar Hähnchen hielten sich meine Großeltern immer selbst. Das gefiel mir und als wir nun vor der Überlegung standen uns ebenfalls welche anzuschaffen, lehnte ich dies unter dem Vorwand ab auch dann nur Hähnchen zu bekommen, die über dasselbe Genmaterial verfügen wie die aus dem Supermarkt. Schnelles Wachstum und enormer Fettansatz in kürzenster Zeit. Bei unserem guten Futter würden sie sich nach 3  Wochen beim Laufen quälen.

Meine Alternative lautete: Vorwerkhühner – eine alte Zweitnutzungsrasse, die sowohl Eier legt als auch zum Fleischverzehr genutzt werden kann.

Wir fanden eine ältere Dame im Nachbarort, die ein paar Eier für uns sammelte. Diese wanderten dann in den Brutapparat. Nach 21 Tagen und vielen Eiumdrehungen schlüpfen die ersten kleinen Küken. Beim Blick durch die Scheibe des Brutapparats erinnerten die Kleinen in ihren Eierschalen stark an winzige Saurier. Getrocknet an Kuscheltiere. Danach ging alles ganz schnell. Die kleinen wuchsen flink und entwickelten ein Federkleid. Bis sie bereit waren ihren ersten Ausflug ins Grüne zu unternehmen, wohnten sie in den ersten Tagen in einer Kiste voll Stroh unter einer Wärmelampe. In den ersten Wochen trennten wir sie von den älteren Hühnern auf dem Hof durch ein kleines Laufgatter. Dahin transportierten wir sie in einem kleinen Korb, von uns liebevoll Kükentaxi genannt. Diese kurzen Fahrten zum Hühnerhof hinterließen ihre Spuren. Während unsere „alten“ Hühner im Häuschen verschwinden sobald es dunkel wird, warten unsere Vorwerkhühner noch heute auf einen von uns und marschieren erst ins Haus wenn man die Glucke mimt und ihnen den Weg zeigt.

Diese kleinen Wesen bescheren uns nicht nur Eier und Fleisch, sondern ein tägliches Schauspiel und große Freuden.