Vom Über-Landstreichen im Soča-Tal 

Ein Wochenende, ein Feiertag und dazu ein Brückentag. Das macht vier ganze Tage um dem Gewusel der Großstadt zu entfliehen. Unser Ziel: Das Soča-Tal in Slowenien.

Den ersten Tag haben wir zur Anreise genutzt. Da wir einen Lada Niva unseren fahrbaren Untersatz nennen, planen wir immer mit einer längeren Anreisezeit und genießen dabei die langsam an uns vorüberziehende Landschaft, machen kleine Stopps und kennen viele Tankstellen. Am frühen Nachmittag erreichen wir unsere Bleibe für die nächsten 3 Nächte. Einen kleinen Campingplatz im Nationalpark Triglav direkt an der Soča. Im hintersten Eck gleich neben dem Fluss und weit entfernt von der Straße haben wir unser Zelt aufgeschlagen. Das hat nicht nur den Effekt morgens beim ersten Blick aus dem Zelt direkt aufs reißende Wasser zu blicken, sondern lässt auch die Geräusche der wenigen anderen Camper verhallen. Nachts erfüllt das Rauschen unser Zelt aber so sehr als hätten wir unser Zelt in der Soča selbst aufgeschlagen. Den Rest des ersten Tages haben wir damit verbracht beim Lesen dem Rauschen der Soča zu lauschen und den Wald um den Campingplatz herum zu erkunden.

Der nächste Morgen beginnt mit einem kleinen Frühstück am Wasser. Danach machen wir uns auf nach Bovec, den nächst gelegenen Ort. Hier decken wir uns mit Brot, Wurst und Käse für die bevorstehende Wanderung ein und kaufen im Hotel Mangart eine Angelkarte für den nächsten Tag. Hoffen wir, dass die Fische fröhlicher gestimmt sind als die Dame an der Rezeption. Eine Tageskarte für schlappe 70€ inkludiert weder die Beantwortung irgendeiner Frage, noch einen Funken Freundlichkeit. Ein Cappuccino im Pivovarna Union heitert uns wieder auf und stärkt uns für die Wanderung entlang der Soča. Ein abwechslungsreiches Gelände. Wir wandern über Wiesen, durchqueren Wälder, ziehen an Bergen vorbei und springen am Flussbett von Stein zu Stein. Auf einem solcher riesigen Steine machen wir später Rast, stärken uns mit einer Brotzeit und kühlen uns kurz ab. Kurz weil kühl hier wirklich kühl meint und man beim Nacktbaden in der Soča nicht länger als 5 Minuten ohne einen Kajakfahrer im Rücken  bleibt, der oft Scharen seinesgleichen prophezeit. Auf dem Rückweg kommen wir durch winzige Dörfer, die aus drei bis vier Bauernhöfen bestehen. Vor fast jedem Haus grast eine Kuh und im Garten gedeiht Obst & Gemüse. An der Hauswand steht eine Bank von der uns die Besitzer zuwinken. Fühlt sich irgendwie an als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Die Welt noch in Ordnung, der Mensch mehr im Einklang mit der Natur und sich selbst.

Nachdem wir am Vortag bei unserer Wanderung bereits viele gute Spots zum Fliegenfischen auf der Karte markiert hatten, gilt es diese heute abzufischen. Für mich das erste Mal mit ganz eigener Fliegenrute im Fluss. Nicht der schlechteste Ort um Fliegenfischen zu lernen. Klares türkises Wasser in dem nicht nur Regenbogenforellen zu Hause sind, sondern auch die lange vom Aussterben bedrohten Marmorforellen. Dem ansässigen Fischereiverein ist deren Überleben maßgeblich zu verdanken. Im Fischzuchtzentrum Tolmin erhält man aus wenigen Muttertieren deren Bestand, indem jährlich unzählige Setzlinge ausgewildert werden. Zudem werden die Regenbogenforellen sterilisiert um eine Kreuzung mit der Mamorforelle zu unterbinden. Hinzu kommt, dass nur das Fischen mit der Fliegenrute gestattet ist. Dabei darf jeweils nur eine Fliege oder  Nymphe verwendet werden, die keinen Widerhaken trägt. Von drei Salmoniden pro Tag darf nur eine marmorierte Forelle entnommen werden. Das sind viele Reglementierungen ohne die heute jedoch vermutlich kein Fisch dieser seltenen Forellenart mehr in der Soča schwimmen würden. Gefangen habe ich nichts aber meine Technik verbessert und einen traumhaft schönen Tag verbracht. Der dann doch noch mit 3 Regenbogenforellen in der Pfanne endete. Eine davon haben wir auf dem Campingplatz mit der Mutter des Besitzers gegen eine Art Biskuitrolle getauscht. Damit war das Menü perfekt.

So richtig verarbeiten und begreifen kann ich all die Eindrücke erst auf dem Heimweg. Da stehen wir in unserer Blechschlüssel zwischen tausenden Reisenden auf einer breiten asphaltierten Autobahn, deren Lauf sich quer durch die Natur schlägt. Wie unglaublich gut so ein paar Tage in der Natur, etwas abgerückt von der Zivilisation tun.

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