Vom Über-Landstreichen im Nationalpark Hohe Tauern

Nachdem nun genügend Zeit vergangen ist und der Schreck nicht mehr so tief sitzt, möchte ich von einem Ausflug in den Schnee berichten. Im letzten Winter, kurz bevor der Frühling beginnen sollte, suchten wir für ein Wochenende noch einmal den Winter. Raus in die Natur, raus in den Schnee. Wir entschieden uns für den Nationalpark Hohe Tauern in Österreich und buchten ein Zimmer im Matreier Tauernhaus  am Fuße des Großvenedigers in einem urigen Almdorf, das aus nicht mehr als einer kleinen Ansammlung von Hütten bestand.

Als wir am Freitag in der Nacht dort anreisten, erstrahlte das hell erleuchtete Tauernhaus in der Mitte des dunklen Tals und man hieß uns nach dem Klingeln an der großen hölzernen Pforte, die bereits abgesperrt war willkommen.

 

 

Am nächsten Morgen bestaunten wir dann endlich vom Balkon aus die volle Pracht der Berge, die uns am Abend in der Dunkelheit verborgen geblieben war. Nach einem ausgiebigen Frühstück im rustikalen Saal, erkundigten wir uns an der Rezeption nach einer Einsteigerroute für eine Wanderung mit Schneeschuhen. Man empfahl uns 2 Routen und stattete uns mit Schneeschuhen aus. So machten wir uns auf den Weg gen Berghaus Außengschlöss, welches aber im Winter geschlossen und unterm Schnee verborgen war. Bereits nach den ersten hundert Metern merkten wir, dass uns der Weg entlang einer Bergstraße nur wenig forderte und wir wechselten, wie es die Alternativroute vorgab ins Gelände um zum Zirmkreuz, einer Andachtsstätte mit Aussichtsbank, hinauf zusteigen. Ein wirklich anspruchsvoller Aufstieg für untrainierte Schneeschuhhasen wie uns, der aber mit einer grandiosen Aussicht belohnt wurde, sobald man sich umdrehte und ins Tal zurück blickte. Von dort aus planten wir den Abstieg über den Panoramaweg Richtung Venedigerblick.

Am Zirmkreuz angekommen erwies sich die Wetterlage jedoch als ungünstig. Der Wind blies und die unterm Schnee verborgenen Berge verschwammen mit dem Himmel zu einer weißen Fläche, was die Orientierung schwer machte.

So entschieden wir uns für den Weg nach links, dazu galt es etwas oberhalb des Kreuzes den Tauernbach über eine Brück zu überqueren um dann  auf der rechten Seite nach Außergschlöss abzusteigen. Nachdem wir die kleine unbeplankte Brücke überquert hatten, was abenteuerlich in Schneeschuhen war, deutete unsere Karte bereits einen weiteren kleinen Fluss an, den es zu überqueren galt. Allerdings fanden wir im Schnee die eingezeichnete Brücke nicht und entschieden uns zum Fluss anzusteigen um sie von dort aus zu suchen. Ein fataler Fehler. Nachdem wir die Schneeschuhe ausgezogen hatten um die steile Wand mit gefrorenem Schnee zum Fluss hinab zusteigen, merkte ich bereits mit den ersten Schritten auf den Fluss zu, dass ich in der gefroren Schneewand keinen Halt fand. Schnell lehnte ich mich nach hinten mit dem Rücken an die Wand und warte dort auf die Hilfe meines Begleiters. Als der seinen Stock und die Schneeschuhe abgestellt hatte und sich auf den Weg zu mir nach oben machte, passierte es bereits. Ich konnte mich nicht mehr halten und begann auf dem Rücken den Berg hinunter zum Fluss zu rutschen. Der Herr versuche mich noch zu halten als ich an ihm vorbei sauste aber griff mich nicht und ließ sich ebenfalls fallen. So rutschten wir nachdem er meine Hand doch noch fassen konnte, zusammen etwa 30 Meter in die Tiefe und dann auf dem Schnee das Flussbett entlang. Bis wir zum Stillstand kamen, schien eine Ewigkeit vergangen zu sein. Irgendwann als ich im Fall realisierte dass ich keinen Halt mehr fand, schloss ich die Augen. In so einer Situation ist das natürlich völlig falsch. Niemals aufgeben!

So lagen wir dort, mein Handgelenk schmerzte und die Hand des Herrn blutete. Schöner Abstieg. Jetzt hieß es Ruhe bewahren. Oben standen noch der Stock und die Schneeschuhe. Die Überlegung sie dort stehen zu lassen verwarfen wir schnell wieder denn ohne die Ausrüstung war es unmöglich weiter abzusteigen.Also hieß es für den Herrn noch einmal die Eiswand zu bezwingen. Ohne Eispickel viel zu gefährlich. Er schlug für jeden Schritt nach oben mehrmals ein Loch mit dem Fuß in die vereiste Schneedecke und krallte sich zusätzlich mit den Händen (ohne Handschuhe) fest.

Wieder vereint entschieden wir uns schnell vom Fluss zu entfernen, was aufgrund der Neigung nicht so ganz einfach war. Nach etwa 50 metern konnten wir endlich nach rechts in eine Ansammlung von Bäumen fliehen. Jedoch wurde es dort nicht weniger steil. Nur die Bäume gaben Schutz und Halt. In einem scheinbar unendlichen Zickzack stiegen wir ins Tal ab während uns langsam die Kräfte verließen.

Als dann plötzlich eine kleine kaum wahrnehmbare Bergstraße, die eher ein Trampelpfad war, vor uns auftauchte atmeten wir auf. Nach einer Weile kamen wir an eine kleine Alm in deren Schutz wir fix eine Banane verschlangen um wieder zu Kräften zu kommen. Aber eigentlich wollten wir nur noch Heim.

So sehr wir dieses Wochenende auch genossen, so bewusst hat es uns auch gemacht wie schnell man ohne es herauszufordern am Berg in eine brenzlige Situation kommen kann. Wer das Gelände nicht kennt und den Weg und die Witterung nicht einschätzen kann, dreht zwingend um. Oder aber hat die Ausrüstung für alle Fälle dabei.

Dennoch: Im Sommer kehren wir in das Tauernhaus zurück und werden uns das Flussbett einmal ohne Schnee anschauen und dann

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