Vom lieben Federvieh

Ich habe eine Eisperre. Ich kann keine Eier essen wenn sie nicht aus unserem Hühnerstall stammen. Ob im Hotel, ums Sushi oder bei anderen Feierlichkeiten, ich verzichte gern. Begründet liegt dies wohl in meiner Kindheit. Seit ich denken kann schnappte ich mir am frühen Abend mit meinen Großeltern den Weidenkorb und begaben uns auf Beutezug in richtung Hühnernester. Es gab also immer frische Eier. Als Kind habe ich es gar nicht so wahrgenommen, doch je älter ich wurde desto mehr achtete ich darauf. Selbst während meiner Studienzeit in Berlin habe ich nicht darauf verzichtet, sondern mich am Wochenende mit frischen Eiern eingedeckt. Hin und wieder bin ich unter bestimmten Bedingungen (Eiernot beim Backen und Wissen um der Eierherkunft) bereit Ausnahmen zu machen.

Ähnlich geht’s mir auch mit Geflügelfleisch. Während ich früher mit Genuss ein Stück vom Grill aß, vermeide ich heute gekauftes Hähnchenfleisch. Ein paar Hähnchen hielten sich meine Großeltern immer selbst. Das gefiel mir und als wir nun vor der Überlegung standen uns ebenfalls welche anzuschaffen, lehnte ich dies unter dem Vorwand ab auch dann nur Hähnchen zu bekommen, die über dasselbe Genmaterial verfügen wie die aus dem Supermarkt. Schnelles Wachstum und enormer Fettansatz in kürzenster Zeit. Bei unserem guten Futter würden sie sich nach 3  Wochen beim Laufen quälen.

Meine Alternative lautete: Vorwerkhühner – eine alte Zweitnutzungsrasse, die sowohl Eier legt als auch zum Fleischverzehr genutzt werden kann.

Wir fanden eine ältere Dame im Nachbarort, die ein paar Eier für uns sammelte. Diese wanderten dann in den Brutapparat. Nach 21 Tagen und vielen Eiumdrehungen schlüpfen die ersten kleinen Küken. Beim Blick durch die Scheibe des Brutapparats erinnerten die Kleinen in ihren Eierschalen stark an winzige Saurier. Getrocknet an Kuscheltiere. Danach ging alles ganz schnell. Die kleinen wuchsen flink und entwickelten ein Federkleid. Bis sie bereit waren ihren ersten Ausflug ins Grüne zu unternehmen, wohnten sie in den ersten Tagen in einer Kiste voll Stroh unter einer Wärmelampe. In den ersten Wochen trennten wir sie von den älteren Hühnern auf dem Hof durch ein kleines Laufgatter. Dahin transportierten wir sie in einem kleinen Korb, von uns liebevoll Kükentaxi genannt. Diese kurzen Fahrten zum Hühnerhof hinterließen ihre Spuren. Während unsere „alten“ Hühner im Häuschen verschwinden sobald es dunkel wird, warten unsere Vorwerkhühner noch heute auf einen von uns und marschieren erst ins Haus wenn man die Glucke mimt und ihnen den Weg zeigt.

Diese kleinen Wesen bescheren uns nicht nur Eier und Fleisch, sondern ein tägliches Schauspiel und große Freuden.

 

 

 

 

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